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Preis der Deutschen Familienstiftung an DKM F.-P.- Huber – Laudatio –          (4. 11. 2025)

Laudatio von L. Spätling

Verleihung des Preises der Deutschen Familienstiftung an Domkapellmeister Franz-Peter Huber unter besonderer Berücksichtigung neurophysiologischer, psychologischer, pädagogischer und medizinischer Erkenntnisse

v.l.: Julia Spätling, Mila Barretta, Franz-Peter Huber, Mathilda Barretta, Carlo Barretta

Warum ehren wir Domkapellmeister Huber mit dem Preis der Deutschen Familienstiftung?

Mit dieser Frage begrüße ich Sie alle, alle, die in Stadt und Landkreis Verantwortung tragen, Franz Peter Hubers Familie und seine Freunde, Vorstand und Beirat unserer Stiftung, die Vertreter der Medien und alle Gäste. Wir danken unserem Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld, hier im schönen Fürstensaal feiern zu können.

Wie Sie wissen, kümmert sich die Deutsche Familienstiftung seit jetzt 25 Jahren um die Stärkung der Partnerschaft der Eltern, weil erwiesen ist, dass sich Kinder so viel besser entwickeln, wenn die Eltern sich gut verstehen.

Auch FP Huber beeinflusst mit seinem Wirken dieses Bestreben auf allen Ebenen. Und das möchte ich Ihnen gleich ausführlicher darstellen.

Aber zuvor darf ich etwas zu seiner Person sagen.

Franz Peter Huber ist 1963 in Oberwestern bei Aschaffenburg geboren. Vielleicht hat die Liebe seiner Eltern zur Musik und zum Singen in Franz Peter Huber den Samen gelegt, Musik zu seiner Profession zu machen.

Aber es gibt ein Erlebnis: Er kann sich noch genau daran erinnern – er war wohl vier Jahre alt -, da durfte er einmal bei einem Organisten auf der Orgelbank sitzen. Das Orgelspiel hat ihn so fasziniert, dass er von der Bank geplumpst und auf dem Pedal gelandet ist, mit einem, wie Sie sich gut vorstellen können, eindrucksvollen akustischen Resultat. Ein Schlüsselerlebnis!

Es war dann zunächst nicht die große Orgel, sondern die Handorgel. Akkordeon zu lernen, begann er mit sechs Jahren. In der Familie wurde viel gesungen und Franz Peter Huber war erstaunt über seine Stimme. Einerseits konnte er recht gerade singen, andererseits gefiel die Stimme nicht nur ihm selbst, sondern auch den anderen – sie zu hören und wie er mit ihr umgehen konnte. Im Internat bei den Franziskanern in Großkrotzenburg vertiefte sich die musikalische Orientierung. Seine Musiklehrer stimulierten und förderten ihn.

Mit 16 Jahren wusste Franz Peter Huber, dass er einmal Domkantor in der Aschaffen-burger Stiftskirche wird. Auch das Studium der Kirchenmusik war für ihn klar.

Seine Lehrer, Helmut Neuhaus und später Heinz Schubert, Domorganist in Essen, bereiteten ihn vor, so dass er nach dem Abitur Kirchenmusik in Mainz und danach Gesang und Chorleitung in Frankfurt studieren konnte. Bei der Bundeswehr im Heeresmusikkorps brauchte er nicht das Kämpfen zu lernen. Er nutzte die Zeit kräftig zum Klavierüben.

1993 am Mainzer Dom konnte er sich Warmlaufen als Domkantor, pardon Warmsingen, um dann diese Position ein Jahr später am Fuldaer Dom zu übernehmen und die Mädchenkantorei und die Domsingknaben stimmlich zu formen. Die beste Voraussetzung, um 1997 die vakant werdende Stelle des Domkapellmeisters von Klaus Theissen zu übernehmen.

Wir alle haben seine Erfolge hier in Fulda miterlebt. Und nicht nur hier sind die Chöre am Dom eine feste Größe geworden, sondern auch weit über Fulda hinaus.

Was gibt unserem DKM Huber die Kraft für diese große Aufgabe?

Franz Peter Huber sieht die Chöre am Dom als eine große Familie, die nicht nur Fertigkeiten verleiht, sondern auch in einer Geborgenheit Werte vermittelt.

Wie nötig das ist, sehen wir jeden Tag.

Mit einer selten erlebten Kombination von Herzlichkeit und Strenge lässt er alle erleben, dass mit Disziplin und Ausdauer Großes erreicht werden kann. Großes, das in jedem Glücksgefühle erzeugt, die im grauen Alltag weiterwirken.

Schon mit zwei Jahren geht es mit dem Eltern-Kind-Singen los, das in die Musikalische Früherziehung übergeht und in der Domsingschule weitergeführt wird. Vom 3. Schuljahr an ist man im B-Chor des JugendKathedralChores, um dann als junger Erwachsener über den A Chor in den Domchor zu wechseln. Die Besten dürfen dann auch in der Capella Cathedralis singen.

Und so kommen wir zur großen Schnittmenge mit den Zielen der Deutschen Familienstiftung und damit zur Begründung für die Verleihung ihres Preises an Franz Peter Huber.

Wie ich schon sagte, ist das Ziel der Deutschen Familienstiftung, die Entwicklung von Kindern zu optimieren. Dass das am besten über die Stärkung der elterlichen Partnerschaft erreicht werden kann, zeigen wir in den Aktivitäten unserer Stiftung. Auch spielt die Musik im gesamten Programm der Familienschule, die von der Stiftung betrieben wird, eine wesentliche Rolle. Musik wird hier gemacht, sobald die Kinder ein Klangholz greifen können.

Und jetzt darf ich zum Untertitel der Laudation kommen, zu Bereichen, in denen Franz Peter Huber mit seiner Arbeit und seinem persönlichen Einsatz eine besondere Wirkung entfaltet. ….          Es heißt in der Überschrift der Laudatio „unter besonderer Berücksichtigung neurophysiologischer, psychologischer, pädagogischer und medizinischer Erkenntnisse“.

Man verortet die Entstehung des Gesangs und damit der Musik in die Zeit der Sprachentwicklung, also vor ca. 100 000 Jahren.  Musik gibt es nur beim Menschen. Sie ist fest mit der Entwicklung zu einem intelligenten und sozialen Wesen verbunden.

*Wo gesungen wird, da lass dich ruhig nieder – wie es in Johann Gottfried Seumes altem Gedicht heißt, galt sicher schon in Ur-Zeiten.

in Kroatien und später in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb hat man Flöten aus Knochen gefunden… vor 50 000 bzw. 30 000 Jahren hergestellt

Ich habe versucht eine solche Flöte nachzubauen.  Ich kann ich auf dieser Flöte nur einen Ton spielen. Da waren unsere Urahnen schon deutlich weiter….

Denn auf Nachbildungen dieser knöchernen Flöten kann man auch heute noch spielen, – besser als ich auf meiner Holunderflöte.

Was passiert denn im Gehirn, wenn wir Musik machen?

Ca. 100 Mrd. Gehirnzellen haben wir, hat jeder von uns. Und was passiert mit diesen Zellen im Gehirn, wenn man Musik macht? Als Beispiel sollen diese Fäden die Gehirnzellen darstellen. … wie die Haare von Professor Dumbledore´s Bart.

Alle hängen am Anfang nebeneinander. Und wenn wir sie nicht verknüpfen, sind sie für die Rechnerleistung unseres Gehirn wertlos. Wir müssen unseren Rechner programmieren.  Jede passive und aktive Aktion, die wir von Kleinkind an tun oder fühlen, programmiert unseren Rechner, in dem sich Synapsen, also Verbindungen ausbilden. Beim Lernen bilden sich also diese Synapsen, bis 10 000 pro Gehirnzelle.

Aus unseren Fäden bildet sich durch diese Verbindungen ein Netz wie dieses Orangennetz, nur dreidimensional.

So bilden sich 100 Billionen Synapsen aus, 100 000 000 000 000, das ist eine Zahl mit 14 Nullen.

Kinder, die ein Instrument spielen, können früher als die anderen buchstabieren!  Wenn sie im Vorschulalter singen, haben sie eine signifikant bessere Schulfähigkeit, einen höheren Intelligenzquotienten und insgesamt bessere Schulleistungen.

Die Ausbildung von Synapsen geschieht beim Singen noch besser, als wenn wir ein Instrument lernen. Wir hören, aktivieren Atmung, die Muskeln und Stimmbänder, hören wieder, was wir singen, vergleichen das Resultat und korrigieren. Das ist eine Vielzahl von Aktionen, durch die das Gehirn programmiert wird.

Zudem müssen sich die Kinder überwinden, vor einer großen Zuhörerschar zu singen. So wird die Selbstkontrolle gefördert, die Selbstdisziplin und Emotionskontrolle. Der Charakter des Kindes wird ausgebildet.

Wir singen in einer Gruppe, fördern unseren Gemeinschaftssinn und unsere Verantwortung den Mitsängern gegenüber. Wen wundert es da, dass es einen positiven Effekt auf die Paarbildung hat. Viele Partnerschaften sind im Chor geschlossen worden.

Das Singen, besonderes das gemeinschaftliche, erzeugt auch neurophysiologisch nachweisbar Glücksgefühle. Die Glückshormone Serotonin, Dopamin und auch Endorphine sind erhöht. Die Bildung von Oxytocin, das Sie ja als das Kuschelhormon kennen, wird gesteigert. In der Medizin hilft das Singen bei der Behandlung von Depressionen z.T. besser als Pillen. Es wird jedem klar, dass die Menschen, die singen, auch gesünder sind. Denn die Immunglobuline, die Abwehrkräfte unseres Immunsystems, werden verstärkt in unserem Körper gebildet.

Hier noch ein Hinweis für die Politik: Frühe Investitionen in die Kinder zahlen sich aus. – Ich habe Ihnen einmal einen Graph einer Exponentialfunktion mitgebracht:

Wenn Sie früh in die Bildung der Kinder investieren, und Singen ist Bildung, zahlt sich das aus. Jeder zu diesem Zeitpunkt (obere Teil des Graphs) investierte Euro in die Bildung bringt der Gesellschaft ein Vielfaches mehr, als wenn sie diesen Euro erst in der späteren Schulzeit oder in die jungen Erwachsenen investieren (auslaufender Teil des Graphs).

In unserem Staat verursachen die Bürger ja Kosten von der Kita über die Schule bis hin zu den Gerichten und Gefängnissen. Je früher man also in die Bildung investiert, desto geringer sind diese Kosten für jeden einzelnen Bürger. Die Ökonomen sprechen von „Return on Investment“. Also je früher, desto besser: Der Ökonom James Hackman hat für diesen Nachweis im Jahr 2000 den Nobelpreis bekommen.

Nach diesem kurzen Ausflug in die Welt der Finanzen, die zeigt, dass sich Franz Peter Hubers Ansatz finanziell mehr als lohnt, zurück zur Entwicklung der Kinder durch das Singen.

Franz Peter Huber prägt mit seinem Konzept der Hinführung zum Singen beispielhaft die geistige und seelische Entwicklung der Kinder bis zum Erwachsenen. Er nutzt den engen Kontakt zu den Mitgliedern der Chöre auch zur Vermittlung von Werten wie Verlässlichkeit, Verantwortung, Gemeinschaftssinn und Respekt. Er würde gerne damit schon früh beginnen, zum Beispiel in einer Grundschule, die an die Chören angegliedert ist.

Wenn unsere Gesellschaft einen großem Bedarf an Entwicklungsförderung der Kinder und an der Vermittlung von Werten hat, dann ist das Konzept unseres Domkapellmeisters geeignet, über Fulda hinaus beachtet und nachgemacht zu werden.

Lassen Sie mich diese Laudatio mit einem Appell beenden: Mögen alle mit dem Wissen um die positive Wirkung des Singens auf jedes Individuum und auf die gesamte Gesellschaft wirklich alles tun, das Singen zu fördern, angefangen beim Neugeborenen – vielleicht sogar schon in der Schwangerschaft -, beim Kleinkind, in KiTa, Kindergarten und in der Schule.

Unterstützen Sie überall Initiativen / wie die unseres Domkapellmeisters Huber, damit möglichst viele vom Singen profitieren.

Unsere Gesellschaft braucht es mehr denn je. Lassen Sie uns also Singen und Musizieren, von Beginn an.

Es wird uns analogen Menschen auch erleichtern, die heutigen digitalen Herausforderungen zu meistern.

Prof. Dr. Ludwig Spätling, Vorstand der Deutschen Familienstiftung, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Fulda a.D.

*aus Johann Gottfried Seumes 1763-1810, Gedicht/Volkslied „Die Gesänge“: „Wo man singet, laß dich ruhig nieder, / Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; / Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; / Bösewichter haben keine Lieder.“[1]

Einen Bericht über die Preisverleihung an DKM Huber und viele Bilder findet man unter dem Link: https://osthessen-news.de/n11783932/preis-der-deutschen-familienstiftung-singen-macht-gluecklich-und-ist-gesund.html